

Ein Netzwerk aus Wissenschaft und mittelständischer Wirtschaft entwickelte in enger Kooperation und Abstimmung einen neuen Prototypen eines serienreifen Staubsaugers. Neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Werkzeuge wurden direkt und in einem sehr frühen Stadium eingesetzt. Neben dem technischen Know-how der interdisziplinären Institute kam der Industrie auch ein erheblicher Zeitvorteil zu Gute.
Zielgruppe des Projekte ist die mittelständische Industrie. Anhand des im Allgemeinen als ausgereift geltenden Massenprodukts Staubsauger sollen die Vorteile von IPP-gerechtem Handeln aufgezeigt und bewiesen werden, dass IPP neue Entwicklungspotenziale eröffnet.
Das Projekt dient der Ausarbeitung einer allgemein gültigen Vorgehensweise für IPP-gerechtes Handeln, die übergreifend auf alle Branchen übertragbar ist. Entsprechend den IPP-Prinzipien werden in Kooperation mit dem Handel Aspekte für eine erfolgreiche Markteinführung berücksichtigt.
Das Projekt
Eine nachhaltige Verminderung von Umweltauswirkungen kann nicht mit "End-of-pipe"-Technologien erreicht werden, sondern nur durch eine Produktentwicklung, die die Umweltauswirkungen während des gesamten Produktlebenswegs berücksichtigt. Das Projekt dient der Ausarbeitung einer allgemein gültigen Vorgehensweise für IPP-gerechtes Handeln, insbesondere in der mittelständischen Industrie. Ehrgeiziges Ziel ist, an dem allgemein als technisch ausgereizt angesehenen Massenartikel Bodenstaubsauger die mit IPP-gerechtem Handeln verbundenen Vorteile für alle Beteiligten zu demonstrieren.
Für die Integration des für die Umsetzung notwendigen breitgefächerten Fachwissens wurde ein interdisziplinäres Netzwerk gegründet, das aus sechs Hochschulinstituten der Universität Erlangen-Nürnberg und der DR. KERN GmbH als Industriepartner besteht. Entsprechend den IPP-Prinzipien werden in Kooperation mit dem Handel Aspekte für eine erfolgreiche Markteinführung berücksichtigt.
Der Nutzen
Das Projekt soll zeigen, dass es mit dem methodischen, systemorientierten Vorgehen der Integrierten Produktpolitik auch bei einem ausgereiften Massengebrauchsgut möglich ist, Verbesserungen für jede Produktlebensphase zu erreichen. Für den Verbraucher bedeutet dies Vorteile, insbesondere während der Nutzungsphase etwa durch einen deutlich geringeren Stromverbrauch oder einen niedrigeren Geräuschpegel.
Darüber hinaus können sich durch die konsequente ganzheitliche Betrachtungsweise - auf Basis der IPP-Prinzipien - konzeptionell grundlegend neue Lösungsmöglichkeiten eröffnen. Gegenüber einer Vorgehensweise mit nur punktuellen und schrittweisen Verbesserungen können durch IPP Quantensprünge in der Produktgestaltung erzielt werden, die gleichzeitig zu Kostenvorteilen IPP-gerechter Produkte führen.
An Hand der in diesem Vorhaben durchgeführten Workshops und Seminare sowie des zu erarbeitenden Leitfadens wird der Öffentlichkeit der Zugang zu den Projektergebnissen und -erfolgen vermittelt und erleichtert.
Die Motivation
Die Projektpartner wollen neue wissenschaftliche Erkenntnisse und Werkzeuge gerade in der direkten und frühen Zusammenarbeit zwischen Hochschulinstituten und der Industrie zügig umsetzen und interessierten Industriepartnern nicht nur einen breit gefächerten Wissenspool für eine methodische und systemorientierte Vorgehensweise, sondern auch wichtige Zeitvorteile bei der Produktentwicklung sichern.
Vorteile der IPP lassen sich prinzipiell unabhängig von Branche oder Unternehmensgröße realisieren. Es ist ein besonderes Anliegen des Netzwerkes, insbesondere der mittelständischen Wirtschaft in gemeinsamen Projekten IPP-Prinzipien sowie Entwicklungs-Know-how nahe zu bringen. Das Netzwerk soll damit eine Plattform für IPP-Aktivitäten mittlerer und kleinerer Unternehmen sein, die im Allgemeinen nicht über die Ressourcen großer Konzerne für derartige Fragestellungen verfügen.
Das Ergebnis
Mit dem Prototyp eines Haushaltsstaubsaugers als Ergebnis des IPP-Pilotprojektes „IPP am Beispiel des Massengebrauchsguts Bodenstaubsauger“ liegt das weltweit erste nach IPP-Kriterien entwickelte Produkt vor. Die Vorteile von IPP werden erstmalig nun auch durch einen Faktor, den IPPsilon-Faktor, quantitativ messbar. Der Prototyp ist leichter, hat einen niedrigeren Stromverbrauch und ist zu 100 Prozent recyclebar.
Entwickelt wurde der Prototyp durch das interdisziplinäre Bayerische Entwicklungsnetz für innovative Technologien (BEnefiT). BEnefiT ist ein Zusammenschluss aus sechs Hochschulinstituten der Universität Erlangen-Nürnberg und Wirtschaftsunternehmen.
Der BEnefiT-Prototyp wurde schon in dieser Phase seines Lebens in punkto Herstellung, Gebrauch und nicht zuletzt Recycling optimiert. Der BEnefiT-Prototyp hat im Vergleich zu Referenzgeräten beim Stromverbrauch während der Nutzungsphase einen IPPsilon-Faktor von 1,6 bis 2, verbraucht also nur etwa die Hälfte an Strom wie herkömmliche Geräte bei gleicher Saugleistung. Mit einem Gesamtgewicht von 4,3 Kilogramm ist der BEnefiT-Prototyp zudem um über 1 Kilo leichter als ein vergleichbarer Staubsauger.
Ein weiterer Vorteil des neuen Staubsaugers ist, dass die Materialvielfalt reduziert und damit die Kosten für Montage und Demontage gesenkt wurden. So stecken im Staubsaugergehäuse der Referenzgeräte rund neun verschieden Materialien, im Gehäuse des BEnefiT-Protoypen nur zwei: Polypropylen und Polycarbonat. Damit hat der BEnefiT-Staubsauger in diesem Bereich einen IPPsilon-Faktor von 4,5. Die gegebenenfalls höheren Rohstoffpreise dieser Materialien werden durch die niedrigen Montagekosten vollständig ausgeglichen. Auch in der letzten Phase seines Lebenswegs hat der BEnefiT-Staubsauger nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile. Die optimale Demontage des Staubsaugers, der zu 100 Prozent recyclebar ist, dauert nur 13 Sekunden anstatt 182 Sekunden beim Referenzgerät. Hier liegt der IPPsilon-Faktor also sogar bei 14, die Demontage ist 14mal schneller. Das rechnet sich: Insgesamt bekommt man beim Recycling des BEnefiT-Staubsaugers einen deutlichen Erlös, bei den Referenzgeräten muss man dagegen für das Recycling zahlen.
Mit dem BEnefiT-Staubsauger wurde ein Haushaltgerät entwickelt, das zeigt, dass sich Ökologie und Ökonomie ergänzen – sowohl für den Hersteller als auch für den Verbraucher.
Der Leitfaden stellt Voraussetzungen, Vorgehen und Betrachtungsweisen des Projektes in allgemeiner Form für Interessierte zur Verfügung, um eine Übertragung der Erkenntnisse auf andere Projekte zu erleichtern. Der Abschlussbericht steht auch zum Download zur Verfügung.