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IPP - Bewertung durch Kombination von Ökobilanz & Kostenanalyse



Die gleichberechtigte Betrachtung ökologischer und ökonomischer Aspekte stellt ein zentrales Element der IPP dar. Die Praxishilfe beschreibt am Beispiel unterschiedlicher Transportkonservierungen für PKW den Einsatz von Ökoeffizienzanalysen - kombinierte ökologische und ökonomische Bewertungen als Instrument der IPP sowie die Chancen und Grenzen dieser Methode.

Das Projekt

Im Rahmen einer möglichen Prozessumstellung wird in der Automobilindustrie ein neues Verfahren zum Schutz und zur Aufrechterhaltung der Qualität der Lackierungen von Fahrzeugkarosserien während der weiteren Fertigung, der Lagerung und des Transportes mittels Flüssigfolie getestet. Diese neuartige Transportkonservierung soll auf ihre langfristigen ökonomischen und ökologischen Entlastungspotenziale geprüft werden. Methodisch erfolgt dies durch eine Ökobilanz in Verbindung mit einer Kostenanalyse im direkten Vergleich zu den bisher verwendeten, alternativen Konservierungsverfahren Klebefolie und Wachs. Damit wird im Sinn einer IPP eine gezielte Integration und Bewertung der Kostenfaktoren und der fundiert erhobenen Umweltauswirkungen entlang des Produktlebenswegs vorgenommen.

Der Nutzen

Am konkreten Anwendungsfall wurde erprobt, inwieweit die Methodik der kombinierten Ökobilanzierung und Kostenanalyse beispielsweise in Form einer Ökoeffizienzanalyse als Entscheidungshilfe und Indikator für IPP-gerechte Lösungen dienen und auch auf andere Branchen und Anwendungsfelder übertragen werden kann. Wesentlicher Aspekt war dabei die Evaluation der Praxistauglichkeit und Aussagekraft einer solchen Methodik bei der Bewertung und der Wahl zwischen Alternativen. Daneben sollte die Leistungsfähigkeit dieses Verfahrens mit Blick auf den gesamten Lebensweg untersucht werden hinsichtlich:

- der Identifikation und Steuerung der bedeutenden umweltbezogenen Einflussgrößen
- der Kosteneffekte und
- deren Kombination zu einem Gesamtoptimum.

In einer Praxishilfe wurden Einsatzfelder, Stärken und Schwächen einer kombinierten Ökobilanz und Kostenanalyse aufbereitet. Der Methoden-Einsatz und die Ergebnisse sind am Fallbeispiel exemplarisch veranschaulicht.

Die Motivation

Die Erstellung einer Ökobilanz mit Kostenanalyse erfordert umfangreiche fachübergreifende Spezialkenntnisse und macht die Einbeziehung nicht nur des Endproduktherstellers notwendig. Folgerichtig wurden die Kompetenzen gebündelt, so dass in das Projekt neben der AUDI AG als Entwickler des neuen Transportkonservierungsverfahrens auch die Firma Mankiewicz Gebr. & Co. als Hersteller der Flüssigfolie eingebunden war. Darüber hinaus wurden die Hersteller der bisher eingesetzten Transportkonservierungen sowie alle Vorprodukt-Lieferanten, Vertriebsorganisationen und Entsorger in das Vorhaben einbezogen und lieferten entsprechende Daten. Das bifa Umweltinstitut (bifa) als Know-how Träger in der Modellierung und Bewertung komplexer Systeme (z.B. Erstellung produktvergleichender Ökobilanzen und Kostenanalysen) übernahm die wissenschaftliche Leitung sowie die Modellierung und die Anwendung des Bewertungsinstrumentariums.

Die Projektpartner wollten durch das Vorhaben gemeinsam dazu beitragen, eine Methode zur Ökobilanzierung mit Kostenanalyse im Sinne einer Ökoeffizienzanalyse zu testen. Insbesondere sollte festgestellt werden, inwieweit diese Methode Praxistauglichkeit als IPP-Instrument aufweist und die Übertragbarkeit auf möglicherweise komplexere Prozesse gegeben ist.

Das Ergebnis

Die Ökoeffizienzanalyse ist ein sehr nützliches Instrument zur Analyse und Bewertung von Produkten, Verfahren und Dienstleistungen. Bei Umweltmaßnahmen wird die Kosten-Nutzen-Relation als Bewertungsmaßstab immer wichtiger, es gilt aber nach wie vor, auch die wirtschaftlichen Chancen eines effizienten Umganges mit Ressourcen und Umweltfolgen zu nutzen. Die Bedeutung kombinierter ökologischer und wirtschaftlicher Bewertungsmethoden wird daher in Zukunft sicher zunehmen.

Vor allem verbindet die Durchführung einer Ökoeffizienzanalyse mehrere Aspekte von IPP. So wurden bei der Untersuchung im Beispielfall z. B. bestehende Kontakte zwischen Zulieferfirmen und Hauptakteur vertieft, bzw. neue Ansprechpartner hinzugewonnen und werksinterne Arbeitskreise für die Erleichterung von Kooperationen gebildet, in denen u. a. das systemanalytische Denken der Beteiligten und die Wahrnehmung der Zusammenhänge zwischen ökologischen und wirtschaftlichen Faktoren gefördert wurde. Eine zielorientierte Diskussion und Bewertung der Ergebnisse setzt eine Aggregation von Daten voraus, weshalb die BASF-Methode mit ihrer hoch-aggregierten Darstellungsweise in geeigneten Anwendungsfeldern einen großen Vorteil z. B. gegenüber verbalargumentativen Ökoeffizienzanalysen hat. Ihr Einsatz ist aber immer dann problematisch, wenn nicht gewährleistet ist, dass bei der Interpretation der Ergebnisse die dahinter liegenden Fakten und Berechnungen berücksichtigt werden. So hat sich bei der Kommunikation der Ergebnisse gezeigt, dass die Ökoeffizienzanalyse für die interne Verwendung gut geeignet ist, weniger gut hingegen für die Außendarstellung.

Die interessanten Ansätze des BASF-Verfahrens sollten als Anregung dienen, die Methodik der Ökoeffizienzanalyse weiterzuentwickeln; es gibt über dieses Verfahren hinaus weitere Methoden zur Durchführung von Ökoeffizienzanalysen. Da Ökoeffizienzanalysen in vielfältiger Weise hilfreich für die Umsetzung von IPP sind, haben sie im Katalog der IPP-Methoden einen festen Platz. Weitere Informationen finden Sie im bifa-Text 26.